Babaman Leseprobe

Jetzt im Buchhandel erhätlich:

BABAMAN - Es kann nur einen geben!

 

von David S. Vogl

 

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LESEPROBE BABAMAN

Die Texte unterliegen dem Urheberrecht!

 

Akte 0.1.2

Die Namensgebung

Dem Himmel sei dank! Ich mag meine Schwester Anastasia. Da red ich noch ich passe in kein Schema und schon wollen die mir einen Allerweltsnamen wie Sebastian verpassen. Erschwerend kommt hinzu, dass es der zweite Vorname meines Vaters ist. Also nicht gerade besetzt mit ruhmvollen Namensträgern. Das hört sich an, als hätten sie ein Namensbuch fallen lassen und den ersten Namen genommen der auf der Seite stand. So gesehen halte ich nicht viel davon, etwas dem Schicksal zu überlassen. Es stellte sich heraus, dass das Ganze nicht komplett auf ihrem Mist gewachsen ist, sondern Tanten und Oma es so wollten. Da habe ich ja eine tolle Verwandtschaft, bei der ich mich später mal bedanken kann. Noch fällt es mir schwer mich zu artikulieren, aber Ana hat mich verstanden und es irgendwie gedreht, dass das Urteil in „Baba“ gemildert wurde. Anscheinend ist Sebastian nicht komplett vom Tisch, aber jedes Mal, wenn meine 16 Monate ältere Schwester den Namen sagen soll, sagt sie „Baba“. Ich verneige mich in tiefer Ehrfurcht vor solch Konsequenz. Lehre 1, die ich daraus ziehe: Meine Eltern scheinen ihr Leben nicht selbst zu bestimmen. Da komm ich ja gerade recht. Lehre II, die ich daraus ziehe: Meine Eltern sind Einfaltspinsel und können sich bedanken, dass ich ihnen wegweisend beistehen werde.

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Akte 0.1.7

Ein Kapitel zum Abhaken

Konnte einen eher peinlichen Moment geschickt unbemerkt machen. Ich gebe zu, ich war zutiefst verzweifelt, als alles darauf hindeutete, dass sie mich irgendwo aussetzen würden.

Und so fing es an:

In völliger Unschuld war ich mit dem heimlichen Bespitzeln meiner Eltern und der Erspähung meiner Umwelt beschäftigt. Als wäre das allein schon ein Kapitalverbrechen wurde ich wie aus heiterem Himmel aus meinem Spionagebunker entfernt. Beinahe bis zur Unkenntlichkeit vermummt wurde ich in einem Maxi Cosi gefesselt, mit einem Schnuller geknebelt und in ein Auto gesteckt. Als wäre ich nicht schon genug gefesselt, wurde sogar noch das Maxi Cosi im Auto befestigt. Selbst für den größten Entfesselungskünstler ein unmögliches Unterfangen da zu entkommen. Unter solch dramatischen Umständen fing ich an zu weinen. Nicht Schreien, weinen, denn es war pure Verzweiflung. Die Fahrt schien endlos lang zu sein. Man wollte offensichtlich sichergehen, dass, sofern ich mich entgegen aller Sorgfalt selbst befreien könnte, ich keinesfalls den Weg zurückfinden würde. Schließlich kam das Auto doch zu einem Halt und ich raus aus dem Wagen. Meine Wahrnehmungsgabe war zu diesem Zeitpunkt schon durch die verschwommene Sicht und dem emotionalen Loch in mir leicht beeinträchtigt. Keine Ahnung, wo wir uns befanden, aber der Platz schien für ein ruchloses Verbrechen nicht gut genug zu sein. Irgendwann wurde ich wieder ins Auto gebracht und die Suche ging weiter. Niemals hätte ich gedacht, mich über unsere bescheidene Unterkunft so freuen zu können. Meine schlimmsten Befürchtungen erwiesen sich als falsch, ich wurde entfesselt und in den Arm genommen. Das hat mich ohne Zweifel geprägt.

Um jeglichen Verdacht vom wahren Grund meiner Verzweiflung abzulenken, werde ich in Zukunft beim Autofahren immer weinen müssen. Fürs Erste haben sie es mir abgekauft. Auch nicht verwunderlich. Betrachtet man den etwas eigenwilligen Fahrstil beider, kommt schnell der Verdacht auf, das Geheule würde diesem entspringen. Ich hoffe wir werden niemals unmittelbar nach meiner Nahrungsaufnahme einen Ausflug machen. Bei entgegen zur Fahrtrichtung gesetztem Blick wird mir schon nüchtern ganz flau im Magen. Meine Schwester steht mir bei, indem sie beim Autofahren stets an meiner Seite ist.

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Akte 1.9.0

Behandlung

Von solcher Undankbarkeit bekomme ich schon wieder Ausschlag. Diesmal ist es nicht nur bildlich gesprochen. Ich glaube mein Körper kann einfach nicht mehr kompensieren, was er ertragen muss. Meine Eltern haben diesem Ausschlag sogar einen Namen gegeben als wäre er ein Freund der Familie. Noch dazu ist Neurodermitis ein sehr seltsamer Name. An den Armen und Beinen kann ich die Ekzeme noch verstecken, aber im Gesicht leidet meine Ansehnlichkeit stark darunter. Um ihnen Sorgenfalten ins Gesicht zu bringen, kratze ich unablässig daran. Gelegentlich werden meine Eltern mit diesem Umstand beinah vorwurfsvoll konfrontiert. Vehement beteuern sie ihre Unschuld und das Bemühen, eine Lösung zu finden.

Als ganz grandiose Idee kam ihnen, mal einen anderen Arzt aufzusuchen als bisher. Meine Skepsis schlug in Neugier um, als dieser Arzt sehr schnell zu bemerken schien, dass nicht ich das Problem bin, sondern nur habe.

Folge war der scheinbar endlose Besuch bei diesem Homo... Hämo... ............. Arzt. Der Mann stellte eintausend Fragen, nicht mir sondern meiner Mutter. Er schien erkannt zu haben, dass ich das Problem lediglich austrage, und bemühte sich um Ursachenbekämpfung. Es fehlte nur noch die Couch. Als Belohnung für meine Geduld gab es kleine süße Kugeln zum Lutschen.

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Akte 1.11.0

Wasserspiele

Heute wurden die 1. Babalympischen Wasserspiele ausgetragen. Den Zuschlag als Austragungsstätte bekam das Badezimmer. Es schien keinen besseren Ort dafür zu geben. Die Wettkämpfe wurden planmäßig unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen. Die Disziplinen:

 

Wasserweitspritzen gefolgt von Möbeleinweichen, Unterwassersetzen und Schaumbergwerfen.

 

Für Premieredisziplinen lief es zunächst wunderbar. Das Wasserweitspritzen ist hochspektakulär und wird sich bestimmt breiter Beliebtheit erfreuen. Möbeleinweichen ist ein Ausdauersport. Beim Unterwassersetzen bedarf es jedoch einer Verkleinerung des Ablaufes. Eine ganze Türbreite ist zu viel um einen annehmbaren Pegelstand zu erreichen. Durch diesen Mangel bekam auch die Öffentlichkeit davon Wind. Prompt kam es zum Wettkampfabbruch und es wurden gleich alle Disziplinen bis auf weiteres strengstens untersagt. Schade, dass es nicht zum Schaumbergwerfen gekommen ist, darauf hatte ich mich besonders gefreut. Nach Austausch von Unterwassersetzen mit einer neuen Disziplin sehe ich mich im Recht, einen weiteren Versuch zu starten.